DUOGRAFIE

Mario Reinstadler

Duografien entstehen aus der Überlagerung zweier Aufnahmen: einer analogen Schwarzweißfotografie und des Farbkanals einer digitalen Farbaufnahme.

Die Schwarzweißaufnahme bildet die Grundlage – sie trägt Struktur, Raum und Zeit. Die Farbe greift ein und verändert, wie dieses Bild wahrgenommen wird.

Oft entstehen beide Aufnahmen in engem zeitlichen Zusammenhang. Manchmal liegen Jahre oder Jahrzehnte zwischen ihnen. In der Überlagerung treffen diese unterschiedlichen Zeiträume aufeinander, ohne sich vollständig aufzulösen.

Die Farbe gibt dem Schwarzweißbild eine Richtung, verschiebt die Wahrnehmung und trägt zur Deutung bei. Aus demselben Negativ könnten so auch unterschiedliche Bildfassungen entstehen.

Die Arbeiten bewegen sich zwischen Abbild und Erinnerung. Sie zeigen keine eindeutigen Momente, sondern Zustände – offen, nicht festgelegt, im Fluss.

Ein Teil der Werke folgt konsequent dem Format des analogen Negativs. Diese Formate bewahren die ursprüngliche Begrenzung des fotografischen Materials. Andere Formate entstehen aus der Bildwirkung heraus. Sie lösen sich vom Ausgangsformat und führen die Arbeit in eine neue, eigenständige Fassung.

Jede dieser Fassungen wird als eigenes Werk verstanden. Die Editionen sind bewusst klein gehalten und werden nicht fortgeführt. Was abgeschlossen ist, bleibt abgeschlossen.

Die Duografie verbindet analoge Herkunft und digitalen Eingriff. Sie nutzt die Unterschiede beider Verfahren nicht als Gegensatz, sondern als Spannungsfeld, in dem neue Bildzustände entstehen.